Fit bleiben – ohne Sodbrennen

Endlich lockt der Frühling wieder zum Sport in die Natur. Doch was, wenn jede Aktivität durch Sodbrennen vergällt wird? Der brennende Schmerz hinter dem Brustbein entsteht durch den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Unter normalen Umständen verhindert ein Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen diesen sogenannten Reflux und lässt wie ein Ventil Nahrung und Flüssigkeit nur in eine Richtung – nach unten – durch. Ist der Muskel überfordert, schwindet seine Kraft und er dichtet nicht mehr richtig nach oben ab.

Gerade beim Volkssport Joggen ist Sodbrennen keine Seltenheit, etwa jeder fünfte Ausdauerläufer klagt über saures Aufstoßen. Gründe sind unter anderem eine geringere Beweglichkeit im Zusammenspiel von Speiseröhre und Magen und sinkender Druck des Schließmuskels unter Belastung. Das Ganze verschlimmert sich, wenn man vor dem Sport kalorienreiche oder fetthaltige Mahlzeiten zu sich nimmt. Und: Sodbrennen ist keineswegs harmlos, die aggressive Säure greift auf Dauer die Speiseröhre erheblich an und kann sie schwer schädigen.

Sodbrennen ausbremsen

Für (Freizeit)-Athleten gibt es zwei wichtige Grundregeln, um Sodbrennen während oder nach dem Training zu vermeiden: Nicht direkt vor dem Sport essen und vorher und währenddessen ausreichend trinken, am besten Wasser. Wer auch sonst zu Sodbrennen neigt, sollte folgende Tipps beherzigen:

  • abends keine schweren Mahlzeiten essen
  • wenig Kaffee und Alkohol trinken
  • scharfe/saure Nahrungsmittel und Getränke meiden
  • nachts mit erhöhtem Oberkörper schlafen
  • Übergewicht abbauen

Reicht das nicht aus, können eventuell rezeptfreie Medikamente (z.B. Säureblocker oder Alginate) Abhilfe schaffen. Bei längerfristiger Einnahme empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Arzt.

Bei schwerem oder chronischem Sodbrennen ist auf jeden Fall fachliche Hilfe vonnöten. „Wer über mehr als einen Monat ein- bis zweimal wöchentlich darunter leidet, sollte seinen Arzt aufsuchen, um sich untersuchen zu lassen“, betont Professor Dr. Joachim Labenz vom Evangelischen Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen. Je nach Ergebnis der Untersuchungen verordnet der Arzt dann eventuell sogenannte Protonenpumpeninhibitoren (PPI), sie blockieren die Produktion der Magensäure. „In der richtigen Dosis und korrekt eingenommen – am besten ein halbe Stunde vor der Mahlzeit – wirken sie in der Regel sehr gut“, erklärt Professor Labenz.

Was tun in schweren Fällen?

Etwa jeder dritte Patient, bei dem der Arzt ein schweres chronisches Sodbrennen diagnostiziert hat, spricht nicht genug auf die Medikamente an, verträgt sie nicht gut oder möchte nicht jeden Tag Tabletten schlucken. Dann kann eine Operation den Ausweg bieten. Bei der traditionellen Methode wird der obere Teil des Magens wie eine Manschette um den Schließmuskel der Speiseröhre genäht, um ihn zu kräftigen. Der Nachteil: Einige Patienten leiden hinterher an Beschwerden wie Schluckstörungen oder Durchfall.

Für manche Betroffene kommt auch eine schonende Alternative in Frage: das EndoStim-Verfahren. Dabei werden zwei kleine Elektroden am Schließmuskel fixiert, die über einen in der Bauchdecke implantierten Schrittmacher elektrische Impulse erhalten. Diese Impulse stimulieren den Schließmuskel so, dass er wieder richtig abdichten kann.

Dr. Henning G. Schulz, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel, setzt EndoStim seit zwei Jahren ein. „Das Verfahren unterstützt die Funktion des Speiseröhrenschließmuskels ohne wesentliche Änderungen der natürlichen Anatomie von Magen und Speiseröhre“, hebt Dr. Schulz hervor. „Damit sinkt die Gefahr von Nebenwirkungen wie Schluckstörungen oder Durchfall deutlich.“

Die Erfolgsraten von EndoStim sind sehr gut. Laut Dr. Schulz zeigt die Methode bei 90 Prozent seiner Patienten große Wirkung. „77 Prozent nehmen gar keine PPI mehr, 14 Prozent konnten die Dosis auf ein Viertel reduzieren.“ Dabei registrierte er kaum Nebenwirkungen, gerade die oft gefürchteten Schluckstörungen traten bei keinem der so operierten Patienten auf.