Schrittmacher gegen Reflux: 2-Jahresdaten belegen langfristig Sicherheit und Effektivität

St. Louis/Den Haag – Die elektrische Stimulation des unteren Ösophagussphinkters zur Therapie der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) dämmt den Reflux nachhaltig ein. Das belegen aktuelle Zwei-Jahres-Daten.

Ursache für einen Reflux ist häufig eine Schwäche des unteren Ösophagussphinkters (lower esophageal sphincter, LES). Genau da setzt das elektrische Stimulationsverfahren (EndoStim) an. Laparoskopisch werden zwei Elektroden am LES fixiert und mit einem kleinen Schrittmacher verbunden, der seinen Platz dann subkutan unter der Bauchdecke findet.

Der Schrittmacher löst in regelmäßigen Abständen elektrische Impulse aus, die die Verschlusskraft des LES erhöhen. Die Programmierung lässt sich drahtlos von außen durch die Haut bei jedem einzelnen Patienten individualisieren.

Dass durch diese minimalinvasive Methode der Reflux langfristig unterbunden werden kann, zeigen die Zwei-Jahresdaten einer Studie, veröffentlicht in der diesjährigen März-Ausgabe der Zeitschrift „Surgery“1. In die Studie waren initial 25 Patienten mit schwerer GERD (durchschnittlich seit 10,6 Jahren) eingeschlossen, die im Mittel seit 5,5 Jahren täglich Protonenpumpeninhibitoren (PPI) einnahmen). 21 von ihnen nahmen an der Zwei-Jahres-Evaluation teil.

Die Überprüfung umfasste unter anderem die Messung von Symptomen und GERD-bezogener Lebensqualität (GERD Health Related Quality of Life questionnaire), PPI-Gebrauch und die Bestimmung des ösophagealen pH-Wertes.

Es zeigten sich signifikante Besserungen der Symptome wie Sodbrennen oder Regurgitation, die Lebensqualität stieg deutlich. Der prozentuale Zeitanteil mit einem pH < 4 im Median von 24 Stunden sank nach zwei Jahren kontinuierlicher Stimulation von 10 Prozent auf 4 Prozent.

Am Ende dieses Zeitraums waren 90 Prozent der Patienten nicht mehr abhängig von PPI, 76 Prozent hatten den Gebrauch komplett eingestellt, 14 Prozent auf weniger als die Hälfte der Tagebuchtage reduziert.

In der Studie gab es keine Komplikationen durch Prozedur, Implantat oder die Therapie. Kein Patient berichtete über gastrointestinale Nebenwirkungen wie Dysphagie, Blähungen oder Diarrhoe.

Alle Ergebnisse deckten sich mit denjenigen der gleichen Kohorte nach einem Jahr Stimulationstherapie2 und vorläufige Daten einer laufenden Multicenterstudie an weltweit zehn Häusern bestätigen die positiven Resultate dieser Untersuchung.

„Die signifikante Senkung der ösophagealen Säureexposition nach zwei Jahren als objektivem und robustem Kriterium einer GERD belegt die anhaltende Wirksamkeit der Stimulationstherapie“, sagte Professor Dr. Edy Soffer von der Abteilung für Gastroenterologie an der University of Southern California’s Keck School of Medicine, einer der Co-Autoren der Studie. „Wir können daher EndoStim ausdrücklich empfehlen, wenn Patienten nach einer Alternative zur traditionellen Antirefluxchirurgie suchen“, so das Fazit von Prof. Soffer.

In einem begleitenden Editorial nennt Professor Dr. Stephen Attwood von der Chirurgie am North Tyneside General Hospital in North Shields die Besserungen „tiefgreifend“ und betont, dass es keine andere Therapie der GERD mit diesem Ausmaß an Effektivität und Fehlen von Nebenwirkungen gäbe3.

Hierzulande hat Dr. Henning Schulz, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel, in den letzten zwei Jahren die größten Erfahrungen mit EndoStim gesammelt. Er kann die Studienergebnisse für Deutschland nach Auswertung von 24 Patienten bestätigen: „EndoStim zeigt bei 90 Prozent meiner Patienten Erfolg, 77 Prozent nehmen gar keine PPI mehr, 14 Prozent konnten die Dosis auf ein Viertel reduzieren.“ Auch Dr. Schulz registrierte kaum Nebenwirkungen, insbesondere Schluckstörungen traten bei keinem Patienten auf.

1 Leonardo Rodrígez et al. Surgery 2015; 157:556-567

2 Leonardo Rodrígez et al., Endoscopy 2013; 45: 595-604

3 Stephen E. Attwood, Surgery 2015; 157:568-569