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01Politik

Der exklusive Volksbegriff der Union: Ein Wahlrecht für alle?

Die Debatte um das Wahlrecht für Migranten wirft Fragen auf über den Volksbegriff der Union. Ist das politische Engagement von Zuwanderern nicht auch in unser aller Interesse?

Es war ein regnerischer Dienstagmorgen, als ich in der Stadtbibliothek saß und einige Zeilen über das Wahlrecht für Migranten las. Die Sonne schien nicht, und das vergitterte Fenster ließ die Lichtstrahlen nur bruchstückhaft hindurch. Doch die Worte, die ich las, waren vor allem grau – die politische Diskussion rund um das Thema schien gefangen zwischen Vorschriften und vermeintlichen Volksinteressen. Die Union positionierte sich klar gegen eine Erweiterung des Wahlrechts, und mir wurde bewusst, dass hier ein exklusiver Volksbegriff aus dem Hut gezaubert wurde, der mehr als nur den politischen Diskurs prägte.

Die Argumentation der Unionspolitiker lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Nur wer "wirklich" zum deutschen Volk gehört, sollte auch mitbestimmen dürfen. Das klingt zunächst nach einer nachvollziehbaren Position. Doch in der Auseinandersetzung zeigt sich rasch, dass dieser Volksbegriff seltsame Züge annimmt. Wer genau definiert, was "wirklich" ist? Und in einem Land, das über Jahrzehnte hinweg durch Zuwanderung geprägt wurde, sollten nicht gerade die Stimmen der Migranten eine Rolle spielen?

Wenn man genauer hinschaut, wird die Exklusivität des Volksbegriffs schnell offensichtlich. Es ist nicht so, dass man sich einfach um die Meinungen derjenigen schert, die hier leben, ihr Leben aufbauen und in den meisten Fällen stolz darauf sind, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Stattdessen wird der Begriff des Volkes zu einem Konstrukt verengt, das mit einem bestimmten kulturellen und historischen Hintergrund verbunden ist.

Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Kommune, die aus einer Vielzahl nationaler und kultureller Hintergründe besteht, nicht von den Stimmen derjenigen profitieren könnte, die aktiv an ihrem Leben teilnehmen. Schließlich ist die Integration nicht nur das Annehmen neuer Bräuche, sondern auch das aktive Mitgestalten der Gesellschaft. In diesem Sinne könnte man argumentieren, dass das Wahlrecht für Migranten nicht nur ein Geschenk ist, sondern auch eine Pflicht der Gesellschaft, den Dialog zu fördern.

Die Union hat durch ihre Position jedoch nicht nur das Wahlrecht für Zuwanderer abgelehnt, sondern auch die Integration von Migranten in den politischen Prozess. Es ist, als wolle man ein Restaurant eröffnen, das zwar Gäste empfangen möchte, diese aber vor der Tür lässt, wenn sie das falsche Gericht bestellt haben. Wer sollen diese Gäste denn sein, wenn nicht die Millionen Migranten, die hier leben und arbeiten?

Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einem Freund, der vor einigen Jahren aus Syrien geflüchtet war. Er erzählte mir von seinem Wunsch, an den Wahlen teilzunehmen, um seinen Teil zur Gesellschaft beizutragen. „Ich möchte nicht nur hier leben, ich möchte auch mitreden können“, sagte er, während er seine Hände zu einem festen Griff ballte, als könnte er so seine Entscheidungen manifestieren. In diesen Momenten wird deutlich, dass das Bürgertum nicht nur durch Papiere bestimmt wird, sondern auch durch das Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Die Bedenken der Union, Migranten könnten die Wahlentscheidung beeinflussen oder gar eine bestimmte Agenda verfolgen, mag man als legitim empfinden. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Sichtweise nicht wiederum eine Art der Diskriminierung darstellt. Ist es nicht gerade das Ziel einer Demokratie, verschiedene Perspektiven und Stimmen zu integrieren?

Klassische Argumente gegen ein Wahlrecht für Migranten sind oft von Befürchtungen geprägt, die sich als unhaltbar erweisen können. Wer tatsächlich an dem politischen Geschehen teilnimmt, wird sich wohl kaum leichtfertig für eine extreme oder radikale Position entscheiden. Der Gedanke, dass Migranten die politische Stabilität gefährden könnten, ist nicht nur übertrieben, sondern zeugt auch von einem Mangel an Vertrauen in die demokratischen Strukturen.

In einer Zeit, in der unser gesellschaftlicher Zusammenhalt auf die Probe gestellt wird, könnte die Einbeziehung aller Stimmen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer integrativen Gesellschaft sein. Die Frage des Wahlrechts ist nicht nur eine politische, sondern auch eine ethische – und hier wird der exklusive Volksbegriff der Union auf die Probe gestellt. Ein Gutes hat die Diskussion um das Wahlrecht für Migranten jedenfalls: Sie öffnet Raum für Fragen, die wir uns als Gesellschaft stellen sollten. Wer sind wir und wer gehört zu uns? In diesen Zeiten der Unsicherheiten könnte die Antwort auf diese Fragen die vielversprechendste Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit sein.

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